Fachtagung
“Artenvielfalt vor Ort”
01.03.2023

Am 01.03.2023 fand im IBZ St. Marienthal die Fachtagung „Artenvielfalt vor Ort – Aktive Flächengestaltung zur Förderung der Biodiversität für Unternehmen, Kommunen und Soziale Einrichtungen” statt. Über 80 Teilnehmende konnten dabei ein vielfältiges Programm genießen und sich Anregungen für Ihre tägliche Arbeit oder Ihr privates Umfeld einholen.

Nach der Begrüßung durch den neuen Stiftungsvorstand des IBZ St. Marienthal Gregor Schaaf-Schuchardt und den Landrat Dr. Stephan Meyer, welche die Wichtigkeit der Biodiversität in unser aller Leben nochmals hervorhoben, gab es für die Teilnehmenden vier Vorträge zu unterschiedlichen Bereichen zu hören.

Prof. Dr. Willi Xylander (ehemaliger Direktor des Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz) führte die Anwesenden in den „Artenschutz Außerhalb von Schutzgebieten“ ein. Sein Vortrag gab eine gute Basis, auch für nicht fachkundige Teilnehmende, warum dem Artenschutz eine essentielle Rolle beizumessen ist, welche „Leistungen“ eine hohe Biodiversität für unsere Ökosysteme übernimmt und mit welchen Potentialen Kommunen, soziale Einrichtungen und Unternehmen einen Beitrag zu einer positiven Entwicklung leisten können.

Dr. Matthias Nuss (Sektionsleiter Bereich Schmetterlinge im Senckenberg Museum für Naturkunde Dresden) zeigte auf, dass beim Thema „Insektengerechte Wiesenpflege“ oft weniger mehr ist (insbesondere bei der Mahd). Anhand des seit 2015 laufenden Projektes „Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“ wurde nahegebracht wie sich Insekten, in ihren unterschiedlichen Entwicklungsstadien verhalten und wie Flächen so bewirtschaftet und gepflegt werden können, dass sie Mensch und Natur gleichermaßen als Lebensraum dienen. Gemeinsam freuen wir uns darüber, dass in Sachsen bereits über 1.000 Schmetterlingswiesen kartiert sind und in den nächsten Jahrzehnten als solche hoffentlich erhalten bleiben.

Christian Hoffmann von der Naturschutzstation Muskauer Heide gab den Anwesenden einen Überblick für den „Praktischen Naturschutz im Siedlungsraum“. Er bezog sich auf die kleinen und größeren natürlichen Lebensräume, die der urbane Raum zu bieten hat. Hierbei wurde verdeutlicht, dass nicht jede gutgemeinte Flächengestaltung einen Mehrwert für die Natur birgt und man durchaus den „Mut zur Ästhetik des Wilden“ haben darf. Er betonte die Wichtigkeit der Vorbildwirkung der einzelnen Institutionen, auch in Hinblick auf Vernetzung untereinander und Kommunikation nach außen.

Nach der Mittagspause, die sehr rege zum Austausch genutzt wurde, präsentierte Felix Mollenhauer vom Bundesverband Gebäudegrün e.V. eine Übersicht der verschiedensten Formen von “Gebäudebegrünung für Artenvielfalt und Klimaanpassung” und hob deren Potentiale hervor. Diesem Bereich wird in Zukunft eine hohe Aufmerksamkeit gewiss sein, wenn es um die Abkühlung von Städten durch Verdunstung oder die Möglichkeit der natürlichen Dämmung von Gebäuden geht. Darüber hinaus sind diese Flächen ein geeigneter Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren. Vorgestellt wurden die unterschiedlichen Systeme unter den Aspekten, der Art der Bepflanzung samt Wasserrückhalt, dem Mehrwert für die Biodiversität aber auch den zu erwartenden Kosten sowie dem künftigen Pflegeaufwand. Somit konnten sich Interessierte schnell ein umfassendes Bild über mögliche Dach- und Fassadenbegrünungen machen.

Im Anschluss gab es eine vorgezogene Abschlussrunde, bei der es nochmal die Möglichkeit gab Rückfragen zu den bisherigen Vorträgen zu stellen. Danach teilten sich die Teilnehmenden auf die nun folgenden drei Workshops auf.

Dr. Martina Koch von der Heinz Sielmann Stiftung gab Hinweise, wie Unternehmen ihre Firmengelände naturnah gestalten können, da sie oft selbst in hohem Maße von Ökosystemleistungen der Natur abhängig sind. Von positiver Außenwahrnehmung bis hin zu zufriedenen und gesunden Mitarbeitenden wurden zahlreiche Vorteile verdeutlicht, die wiederum zu Kostenreduzierungen innerhalb der Unternehmen führen können. Eine Win-win-Situation für die Beteiligten.

Dr. Johannes Wolf, ebenfalls von der Heinz Sielmann Stiftung, warb bei Anwesenden von Kommunen und weiteren Interessierten für Biotopverbundmaßnahmen auf kommunaler Ebene. Besonders die Kommunen haben weitreichende Einflussmöglichkeiten, wie Flächen in der Zukunft beplant werden und sich aus diesen Prozessen ein Mehrwert für Mensch und Natur erreichen lässt. Um Effekte auch über die eigenen Gemeindegrenzen hinweg zu schaffen sei es wichtig, dass alle relevanten Entscheidungen gemeinsam von den Betroffenen gefällt werden und sich diese Abstimmungsprozesse verstetigen, da nur dadurch die effektive Umsetzung gewährleistet ist.

Karin Stottmeister vom Naturgarten e.V. referierte dazu, wie in unterschiedlichen Einrichtungen Naturerlebnisräume geschaffen werden können, in denen sich Mensch und Natur auf Augenhöhe begegnen. Dies betrifft Kindertagesstätten und Schulhöfe im gleichen Maße wie Parks und Wohnanlagen. Schon mit einfachen Maßnahmen können selbständig Räume geschaffen werden, die einen Mehrwert generieren, um naturnah die eigenen Sinne zu erkunden und gleichzeitig einen Beitrag zu mehr Artenvielfalt zu leisten.

Nach dem langen und informativen Tag ließen es sich trotzdem etwa 30 Teilnehmende nicht entgehen, bei einem gemeinsamen Spaziergang auf dem Klostergelände, über die Maßnahmen des IBZ St. Marienthal zum Artenschutz vor Ort, zu informieren. Von Fledermausquartier, über Streuobst- und Schmetterlingswiese bis hin zur Stromversorgung über erneuerbare Energien, gespickt mit ein paar historischen Fakten zu Kloster und IBZ, gab es somit noch einen kleinen sichtbaren Praxisbezug zum Abschluss.

Wir danken allen Teilnehmenden, Referentinnen und Referenten, sowie dem gesamten Team der IBZ-Betriebs-GmbH für den reibungslosen Ablauf dieser, aus unserer Sicht, sehr gelungen Fachtagung und hoffen alle auch im Jahr 2024 erneut begrüßen zu dürfen!